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HIRNTOD IM ISLAMISCHEN KONTEXT

Der Tod tritt laut der klassischen Definition im islamischen Kontext dann ein, wenn die Seele den Körper verlassen hat. Dies wird z.B. aus dem folgenden Vers erläutert, in der zwischen Tod und Schlaf unterschieden wird:

 „Gott beruft die Seelen zur Zeit ihres Todes ab, und auch die, die nicht gestorben sind, während ihres Schlafs. Er hält die eine (Seele), für die Er den Tod beschlossen hat, zurück, und Er lässt die andere (Seele) auf eine bestimmte Frist laufen. Darin sind Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (Sure 39/42)

Diese Definition wird verständlicherweise durch die Kriterien des Hirntodes herausgefordert. Es ist schwierig, allein durch diese Hirntodkriterien den Eintritt des Todes nach islamischem Glauben zu beurteilen, da die messbaren Gehirnfunktionen keineswegs als Grundlage für die Aussagen über das Körper-Seele-Verhältnis dienen können.

Der Hirntod wurde in der islamischen Welt in den 80’er Jahren kontrovers diskutiert. Grund für die intensiven Debatten über postmortale Organtransplantation und Hirntodkriterien waren die Verbesserung der intensivmedizinischen Versorgung und Einsatz der erfolgreichen Immunsuppression in den muslimischen Ländern.

Die klassischen Werke der islamischen Tradition setzten sich recht früh mit dem genauen Todeszeitpunkt auseinander und beinhalten zahlreiche Beschreibungen über körperliche Veränderungen eines Toten. Die sich mit dem Todeszeitpunkt verändernden Rechtsverhältnisse und Verpflichtungen und auch die Befürchtung, Menschen lebendig zu begraben, sind einige wichtige Gründe für diese Auseinandersetzung. Doch es bleibt die Frage, ob diese in den klassischen Entscheidungsfindungen etablierten und integrierten Kriterien durch völlig neue Kriterien ersetzt werden können und dürfen. Der Beschluss von Jordanien im Jahr 1986 lieferte in diesen Diskussionen eine Grundlage für eine zustimmende Einstellung zu den Hirntodkriterien.

Dort heißt es:

Der menschliche Tod, und alle daraus entstehenden islamisch-juristischen Konsequenzen, gilt bei Vorliegen einer der beiden folgenden Zustände:

1. Bei vollständigem irreversiblen ärztlich festgestellten Herz- und Atemstillstand.

2. Bei irreversiblem ärztlich festgestellten Ausfall der Hirnfunktion, auch wenn die Herz- und Atemfunktion noch mechanisch aufrechterhalten wird, bzw. mechanisch aufrechterhalten werden kann.

(Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Website des Zentralrats der Muslime in Deutschland)

Es gibt jedoch – vor allem aus Ägypten – zahlreiche Gegenstimmen, die das Hirntodkriterium nicht akzeptieren. So seien Herzschlag und Atmung mit Hilfe der intensivmedizinischen Maßnahmen auch als Lebenszeichen zu betrachten, auch wenn das Gehirn abgestorben ist.

Somit gelte der Hirntod nicht als ein Sterben im umfassenden Sinne und er stelle auch keine Trennungslinie zwischen Leben und Tod. Die Vertreter dieser Position, die an der Irreversibilität des Hirntodes zweifeln, begründen und unterstützen weiterhin ihre Ansicht durch die „Allmacht Gottes“.

Es ist im Allgemeinen festzuhalten, dass die relativ positive Einstellung zur Organtransplantation in der innerislamischen Diskussion nicht in derselben Intensität und Homogenität bei der Anerkennung des Hirntodes existiert.

Die Zurückhaltung vieler Muslime bei der Akzeptanz des Hirntodes als absolute Todesgewißheit ist neben theologisch-ethischen Unklarheiten auch auf ein gewisses Mißbrauchspotential in diesen Ländern zurückzuführen, weil illegaler Organhandel in manchen Ländern keine Seltenheit ist.

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