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MUSLIMISCHE FAMILIEN & PATIENTENENTSCHEIDUNG

In den muslimischen Familien werden wichtige Entscheidungen oft im Familienkreis besprochen und manchmal auch eine gemeinschaftliche Entscheidung getroffen. In dieser eher auf die Tradition zurückgehenden Haltung stehen individuelle Prioritäten des Betroffenen nicht immer im Mittelpunkt. Gelegentlich werden auch bevorstehende, große medizinische Interventionen (wie z. B. Operationen) Gegenstand dieser Familiengespräche. Es ist offensichtlich, dass die Entscheidungen des Patienten durch solche Gespräche stark beeinflusst werden können.

Eine familiäre Einflussnahme auf die Patientenentscheidungen kann als eine klare Verletzung der Selbstbestimmung des Patienten, aber auch als eine Hilfe und Unterstützung für den Betroffenen betrachtet werden. Für eine Beurteilung ist somit in erster Linie die persönliche Einstellung des Patienten entscheidend. Die Gründe für den Wunsch nach einer Familienbeteiligung in einem Entscheidungsprozess können sehr vielschichtig sein.

Eine von der Tradition geprägte Autoritätsstruktur in der Familie ist als Anlass für die Akzeptanz der Entscheidung vorstellbar. Bei der Zustimmung des Patienten können statt eines Autoritätsverhältnisses die Überzeugungskraft der Argumente für oder gegen eine medizinische Intervention entscheidend gewesen sein. Ein weiterer Grund für die Zustimmung zur familiären Entscheidung kann das volle Vertrauen auf die Familie sein. Dies kommt in der Vorstellung, dass die eigene Familie einem nichts Schlechtes wünschen kann, zum Ausdruck.

Aus ethischer Sicht scheint es problematisch zu sein, dass man jede von den genannten familiären Einflussformen als Beeinträchtigung der freien Patientenentscheidung beurteilt. An dieser Stelle ist es sehr wichtig, ob eine Familienbeteiligung im Entscheidungsprozess vom erwachsenen Patienten erwünscht ist. 

Die Feststellung einer familiären Beeinflussung erfordert zunächst eine intensive Kommunikation zwischen dem therapeutischen Team und dem Patienten. Ist eine direkte Interaktion mit dem Patienten wegen der Sprachbarriere nicht möglich, so ist man auf einen als Dolmetscher fungierenden Vermittler angewiesen. Für eine gelungene Verständigung ist in so einem Fall die Unparteilichkeit des Dolmetschers wichtig. Ein Familienmitglied als Dolmetscher würde eine neutrale Informationsvermittlung verhindern.

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