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INFORMED CONSENT (INFORMIERTE ZUSTIMMUNG)

Informed consent (informierte Zustimmung) bedeutet das Einverständnis eines Patienten zu einer Diagnose- oder Therapiemaßnahme nach ärztlicher Aufklärung.

Dieser Begriff basiert auf dem Respekt vor der autonomen und selbstverantwortlichen Person. Informed consent erfordert zunächst eine ärztliche Aufklärung. Erst dann kann der Patient seine Zustimmung erteilen. Er dient nicht nur der rechtlichen Absicherung des Arztes, sondern in erster Linie dem Wohlbefinden des Patienten. Deswegen soll der Inhalt einer Patientenaufklärung nach den Patientenbedürfnissen strukturiert werden. Die medizinische Aufklärung des Patienten darf nicht als einfache Mitteilung einer Information, sondern auch als eine Orientierung, auf die hin der Patient einer Intervention zustimmt oder sie ablehnt, verstanden werden. Somit bleibt dieser Teil der Arzt-Patienten-Interaktion ein entscheidendes Moment für das Wohlbefinden des Patienten.

Mit der Bekanntmachung des medizinischen Zustands durch einen Arzt ist die klassische Frage: „Wie viel Information soll dem Patienten mitgeteilt werden?“, unmittelbar verbunden. Da diese Mitteilungen für die Patientenentscheidung mit ausschlaggebend sind, sollen sie Charakter, Ziele, Risiken, Chancen und Alternativen einer Therapie bzw. eines Forschungsvorhabens beinhalten. Nicht nur das Vorhandensein dieser Komponenten, sondern auch deren Umfang und die Art, wie sie mitgeteilt werden, sind entscheidend für die Angemessenheit einer Patientenaufklärung.

Die Praxis von informed consent im Umgang mit muslimischen Patienten beinhaltet mehrere Schwierigkeiten. Ist die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zusätzlich mit Sprach- und Kulturbarrieren verbunden, so erfordert die individuelle Gestaltung des subjektiven Informationsinhalts vom Stationsarzt noch mehr Erfahrung, Engagement und Zeit.

Aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten ist oft eine Dolmetschertätigkeit nötig. Berücksichtigt man jedoch die Feinheiten der patientenorientierten Aufklärung, so kann nicht immer davon ausgegangen werden, dass die ärztlichen Aussagen möglichst authentisch weitergegeben werden. Die praktischen Erfahrungen, wie die Übersetzung eines drei Minuten langen Arztgesprächs in drei Sätzen, hinterlassen beim medizinischen Team eine gewisse Skepsis. Man ist oft unsicher, ob das Gesagte in angemessener Form vermittelt worden ist.

Eine weitere praktische Schwierigkeit bei einer ärztlichen Aufklärung der muslimischen Patienten ist das relativ niedrige Bildungsniveau. Da oft elementare medizinische Informationen vor allem bei der ersten Generation fehlen, so sollte man diesen Kenntnisstand berücksichtigen und somit möglichst eine einfache Sprache in der Patientenaufklärung auswählen.

Die kulturspezifische Betrachtung und Wahrnehmung bestimmter Begriffe sollen auch bei der Aufklärung der muslimischen Patienten berücksichtigt werden. Dazu gehört auch der Begriff „Krebs“, was bei den muslimischen Patienten oft als ein Todesurteil wahrgenommen wird. Der Begriff Tumor anstatt Krebs könnte eine bessere Vermittlung der medizinischen Sachlage ermöglichen.

Für informed consent ist die Freiwilligkeit ein unverzichtbares Kriterium. Ob überhaupt eine absolute Freiwilligkeit in der Praxis gewährzuleisten ist, bleibt eine berechtigte Frage. Die Beurteilung einer freiwilligen Entscheidung wird in einem transkulturellen Arzt-Patienten-Verhältnis umso schwieriger. Soll die Empfehlung eines Imams oder familiäre Einflussnahme auf die Entscheidungsfindung des muslimischen Patienten als eine klare Verletzung der Freiwilligkeit bewertet werden? Wie soll eine Einflussnahme in solchen Situationen überhaupt festgestellt werden?

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