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ORGANTRANSPLANTATION

UND DIE UNSICHERHEIT UNTER MUSLIMEN

Im islamischen Glauben zählt die Gesundheit zu den höchsten Gütern. Deswegen gilt jede medizinische Handlung, die die Gesundheit bewahrt und das menschliche Leben rettet, als moralische Pflicht. Der unverkennbare Beitrag der Organtransplantation zu diesen Zielsetzungen hat in der islamischen Welt eine positive Einstellung zu Lebendorganspenden und postmortalen Organspenden, d. h. Organspenden nach dem Tod eines Menschen, hervorgerufen.

Trotz einiger kritischer Stimmen kann die Organtransplantation nach islamischen Wertvorstellungen im Allgemeinen als ethisch vertretbar, ja sogar als geboten betrachtet werden.

Die in der Literatur und Diskussion herrschenden zentralen Voraussetzungen für eine Organtransplantation können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Eine Lebendorganspende darf erst nach Aufklärung und freiwilliger Zustimmung des volljährigen und autonomen Spenders stattfinden. Diese Zustimmung soll mündlich und schriftlich vorliegen.
  • Bei einer Lebendorganspende darf das Leben des Organspenders nicht gefährdet und sein körperliches und seelisches Wohlbefinden nicht beeinträchtigt werden.
  • Der Organempfänger soll der Organtransplantation nach einer medizinischen Aufklärung freiwillig zustimmen.
  • Bei einer postmortalen Organspende, wo keine Einwilligung des Organspenders vorliegt, darf laut Meinung mehrerer Rechtsgelehrter mit der Zustimmung der Familienangehörigen eine Organentnahme stattfinden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Organspender zu seinen Lebzeiten die Spende seiner Organe nicht abgelehnt hat.
  • Eine Organtransplantation soll medizinisch indiziert sein und unter den aktuellsten wissenschaftlichen Kriterien stattfinden.
  • Bei postmortalen Organspenden muss der Tod des Organspenders zweifellos vorliegen. Zahlreiche Rechtsgelehrte erkennen bei der Feststellung des Todes auch die Hirntodkriterien an.
  • Ein Handel mit Organen und Geweben ist nach islamischem Menschenbild ethisch nicht vertretbar.
  • Muslime können generell Organe an andere Personen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung spenden und von ihnen auch Organe empfangen.

Diese Voraussetzungen gelten als weit verbreitete und akzeptierte Kriterien in der innerislamischen Diskussion. Es muss hervorgehoben werden, dass sie nicht von allen muslimischen Rechtsgelehrten akzeptiert werden.  Es gibt z. B. auch einige Gelehrtenmeinungen, die die Hirntoddefinition ablehnen, was wiederum einen negativen Einfluss auf die Beurteilung der postmortalen Organspende hat.

Diese Heterogenität spiegelt sich auch in den gesetzlichen Regelungen zur Organtransplantation in verschiedenen muslimischen Ländern wider. Sicherlich spielen bei den unterschiedlichen Gesetzgebungen auch andere soziale und politische Faktoren eine gewisse Rolle.

Kann der Organspender im Jenseits verantwortlich gemacht werden, wenn der Organempfänger mit den gespendeten Organen eine üble Tat begeht?

Was passiert mit den Organen, wenn man nach dem Tod am Jüngsten Tag wiederaufersteht?

Wie sieht es aus, wenn die Organe im Jenseits über ihre Besitzer Rechenschaft ablegen?

Solche Fragen kommen nicht nur bei theologisch ausgebildeten Muslimen vor. Obwohl die Antworten der Rechtsgelehrten zu diesen Fragen keinen Anlass für einen Verzicht auf die Organspende geben, so lässt sich der Volksglaube davon wenig beeinflussen. Die Tatsache, dass die in Deutschland lebenden Muslime weniger für eine Organspende bereit sind als in anderen muslimischen Ländern, liefert gute Gründe sowohl für eine theologische als auch eine medizinische Aufklärung unter den Muslimen.

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