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WÜNSCHE UND...

...FAMILIÄRE VERPFLICHTUNGEN IM ALTER

ALTERN

Das Altern ist nach islamischem Menschenbild als ein Teil des menschlichen Lebens zu verstehen, der zur Natur des Menschen gehört. Dieser natürliche Lebensabschnitt darf nicht auf einen bloßen biologisch-organischen Vorgang des Körpers reduziert werden.

Zwar ist das Jugendalter aufgrund der körperlichen Fähigkeiten und des gesunden Zustandes wertvoll; es führt jedoch nicht dazu, dass das Altern nicht wünschenswert ist und deswegen mit allen Möglichkeiten verschoben oder verheimlicht (z. B. durch Schönheitsoperationen) werden soll. Auch für Muslime sind eigene Mobilität, alltäglichen Bedürfnissen selbst nachzukommen und nicht pflegebedürftig zu sein, wichtige Güter. Ist man jedoch pflegebedürftig, gewinnt der Wunsch, von den eigenen Kindern gepflegt und versorgt zu werden, besondere Bedeutung.
Versorgung und Pflege der hilfebedürftigen Eltern gehören im islamischen Glauben zu den wesentlichen Aufgaben der Kinder. Im Koran heißt es dazu:

„Und zu den Eltern (sollst du) gut sein. Wenn einer von ihnen (Vater oder Mutter) oder (alle) beide bei dir (im Haus) hochbetagt geworden (und mit den Schwächen des Greisenalters behaftet) sind, dann sag nicht ‚Pfui!’ zu ihnen und fahr sie nicht an, sondern sprich ehrerbietig zu ihnen, und senke für sie in Barmherzigkeit den Flügel der (Selbst-)Erniedrigung und sag: ‚Herr! Erbarm dich ihrer (ebenso mitleidig), wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein (und hilflos) war!’“ (Sure 17/23-24).

 Auch in vielen Aussprüchen des Propheten Muhammad wird die Versorgungspflicht der Kinder gegenüber ihren Eltern in den Vordergrund gestellt.

Aus unterschiedlichen Gründen kann diesen Verpflichtungen im modernen Leben nicht nachgekommen werden. Die Arbeitsbedingungen und die auf die Kernfamilie ausgerichteten, in der Regel relativ kleinen Wohnungen lassen kaum Möglichkeiten für das Zusammenleben in einer Großfamilie zu.

Die Tatsache, die eigenen Eltern nicht selbst versorgen bzw. pflegen zu können und sie in einem Altersheim wohnen zu lassen, wird jedoch in einer muslimischen Bevölkerung oft als verantwortungslose Haltung und Vernachlässigung der elementaren familiären Pflichten gegenüber den Eltern verurteilt. Wenn man aber die harten Wirklichkeiten des alltäglichen Lebens berücksichtigt, bleibt ein Aufenthalt in einem Altersheim oft letzte Alternative.

Mit dem Altern, einem unmittelbar vor dem Tod liegenden Lebensabschnitt, ist bei Muslimen oft eine Intensivierung der religiösen Sensibilität festzustellen.

Sowohl in der ambulanten Pflege als auch den für diese Menschen gedachten Altenheimen obliegt es, dieser Sensibilität nachzukommen. Eine für den muslimischen Alltag geeignete Raumgestaltung und einige organisatorische Maßnahmen in der Küche sind für solche stationären Einrichtungen von zentraler Bedeutung. Neben der Berücksichtigung der islamischen Speisevorschriften (z. B. Schweinefleisch- und Alkohol-Verbot) sollte eine flexible Umordnung während des Fastenmonats Ramadan in der Küche möglich sein. Ebenso sollten besondere Räumlichkeiten wie ein Gebetsraum und ein Besuchsraum, der für eine größere Besucherzahl ausgelegt ist, vorhanden sein. Wichtig ist es auch, für den Tod und die damit verbundenen Rituale geeignete Räume zur Verfügung zu stellen. In den Palliativstationen und Hospizen sollten ebenfalls diese Gesichtspunkte berücksichtigt werden.

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