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Sie sind der Doktor...

...sie müssen es entscheiden“

Die Patientenautonomie beinhaltet das Recht auf Selbstbestimmung des Patienten oder Probanden über die therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen sowie der Forschung dienenden Interventionen. Von einer autonomen Entscheidung des Patienten kann erst dann gesprochen werden, wenn die erforderlichen Kriterien wie Freiwilligkeit, Kompetenz, Informiertsein u. a. vorhanden sind. Auch wenn diese Kriterien Voraussetzungen für eine autonome Entscheidung sind, kann bei deren Fehlen nicht behauptet werden, dass das Recht auf Selbstbestimmung entfalle. Kinder, nicht Zurechnungsfähige oder komatöse Patienten, die nicht in der Lage sind, autonom zu entscheiden, haben ebenso ein Recht auf eine Entscheidung, die ihre Interessen berücksichtigt.

In den medizinethischen Diskussionen gibt es keinen Zweifel, dass die Patientenautonomie ein zentrales Prinzip der Medizinethik ist. Es existieren dennoch unterschiedliche Meinungen über den Inhalt und die Bedeutung dieses ethischen Prinzips in der medizinischen Praxis. Noch komplizierter wird die Argumentationslage, wenn man über die Frage, „ob die Patientenautonomie in allen Kulturen in derselben Art und Weise verstanden und praktiziert werden soll oder kann“ diskutiert.

Die Entscheidung eines muslimischen Patienten findet nicht unabhängig von seinem Gesundheits- und Krankheitsverständnis und seine Krankheitswahrnehmung sowie -deutung statt. Ebenso spielen dabei weitere Faktoren wie traditionelle Sitten, Ausbildung, eigene Erfahrungen u. a. eine gewisse Rolle. In der Fachliteratur begegnet man oft der Behauptung, dass die Selbstbestimmung bei den muslimischen Patienten, vor allem aus der ersten Generation, nicht im Vordergrund steht und von ihnen ein paternalistisches Arzt-Patienten-Verhältnis bevorzugt wird. Diese Aussagen werden durch einige Situationen begründet, in denen diese Patienten die Entscheidung über die durchzuführende Therapie gerne ihrem Arzt überlassen oder überlassen wollen.

Eine kulturspezifische Analyse zeigt jedoch, dass diese Patienten nicht unbedingt sich vom Arzt dirigieren lassen wollen. Vielmehr ist diese Haltung mit der sachlichen und informativen Überforderung der betroffenen Person verbunden. Die Aussage: „Sie sind der Doktor, sie müssen es entscheiden“ bedeutet oft: Ich bin in dieser Situation mit meinem Wissen überfordert und fühle mich nicht in der Lage, kompetent zu entscheiden. Deswegen soll diese Haltung nicht als Wunsch nach einem paternalistischen Arzt-Patienten-Verhältnis interpretiert werden. Die Ablehnung bestimmter Arzneien, die nach den islamischen Speisevorschriften als verboten (harâm) gelten, oder andere Konfliktsituationen, zeigen eindeutig, dass sie schon eine selbst bestimmte Vorgehensweise bevorzugen.

An dieser Stelle kann auch berechtigter Weise gefragt werden, wie informed consent (informierte Zustimmung) als unverzichtbarer Bestandteil der Patientenautonomie bei den muslimischen Patienten zu realisieren ist. Ebenso problematisch ist die Einflussnahme der Familie oder eines islamischen Rechtsgutachtens (Fatwa) auf die Entscheidungsfindung der muslimischen Patienten.

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